Olympia 2008, Pressefreiheit und Blogs in China

Aktuelles Topthema: Olympia-Boykott in Peking? Ja? Nein? Jeder hat da so seine Meinung zu, in anderen Laufblogs, in Foren und bei XING wird das Thema bereits heiß diskutiert.

Ganz unabhängig davon, bereits im Januar, spielte ich mit dem Gedanken, ein paar Beiträge zum Thema “Olympische Sommerspiele 2008″ hier im Blog zu veröffentlichen. Besonders interessierte mich die Lage vor Ort: wie weit ist man? Wie empfinden Leute vor Ort die Spiele? Und wie steht es eigentlich um die Berichterstattung? Ich lernte darauf Kim Schiefer kennen. Kim ist seines Zeichens auch Blogger und betreibt die Website Chinaseite.de. In seinem Blog berichtet er immer wieder über aktuelle Themen, zuletzt auch über die Aufstände in Tibet und die anschliessende YoutTube-Blockade der Chinesischen Regierung.

Ich führte mit Kim darauf ein Interview zu den Olympischen Sommerspielen 2008, der Pressefreiheit und der Situation von Blogs in China durch. Wie bereits erwähnt, fand dieses Interview vor den Aufständen statt. Bitte etwas Zeit mitbringen – es lohnt sich aber.

Heiko: Hallo Kim, ich darf dich zunächst zum zweiten Interview überhaupt auf RNNR begrüßen. Du lebst zur Zeit in China und betreibst von dort aus deinen Blog blogger.chinaseite.de. Wie lange bist du inzwischen da, was machst du eigentlich in Fernost und worüber bloggst du?

Kim: Hallo Heiko. Ich bin inzwischen 2 1/2 Jahre in Peking und betreibe hier seit ca. einem Jahr ein Consulting Unternehmen. Auf Chinaseite.de blogge ich im Prinzip über alles, was mit China und meinem Aufenthalt hier zu tun hat. Manchmal einfach persönliche Erlebnisse, Kommentare zur Berichterstattung über China in deutschen Medien. Nicht alles hat mit China zu tun. Die Olympischen Spiele sind natürlich auch ein immer wichtigeres Thema.

Heiko: Am 8. August beginnen die Olympischen Sommerspiele 2008 in der chinesischen Hauptstadt Peking. Ein Novum für China. Was bekommst du von den Vorbereitungen mit?

Kim: Die Vorbereitungen sind gar nicht zu übersehen und ich könnte hier unzählige Beispiele nennen. Aus dem Alltag auch ein paar lustige. Es gibt zum Beispiel überall in Peking Countdowns, die bis zum Start der Spiele runterzählen. In meiner früheren Wohneinheit wurde auch ein “Countdown” eingerichtet, allerdings musste der manuell jeden Morgen um einen Tag vorgestellt werden und es wurde manchmal vergessen. Oder meine Lieblingsroute zur Arbeit, die morgens immer staufrei war, bis sie dort eine Baustelle eröffnet haben, um eine neue U-Bahn-Station zu bauen, die bis Olympia fertig sein soll – seitdem stand ich jeden morgen im Stau.
An Sehenswürdigkeiten werden gefälschte Olympiaartikel verkauft, überall gibt es Olympiawerbung oder Kampagnen zur Verbesserung der Manieren der Pekinger im Umgang mit den Besuchern aus dem Ausland. Immer mehr Taxifahrer lernen englisch, es gibt mehr U-Bahn-Linien uws.
Im Mittelpunkt der Bauwerke steht natürlich das Olympiastadion, das wegen seiner Form im Volksmund “Vogelnest” genannt wird. Ich war letzte Woche dort, leider erhält man keinen besonders guten Blick darauf da alles abgesperrt ist.

Heiko: Hier in Deutschland gehen immer mehr Journalisten auf das Problem mit der Pressefreiheit während der Spiele ein. Wie muss man sich das Pressesystem drüben eigentlich vorstellen? Können Journalisten so agieren wie ihre deutschen Kollegen?

Kim: Die Presse in China wird natürlich streng kontrolliert, es gibt in jedem Verlag Zensoren, die Artikel freigeben müssen. Ab und zu hört man ja auch von Übergriffen auf Journalisten. Laut Reporter ohne Grenzen sind derzeit in China 31 Journalisten in Haft. Auch ausländische Journalisten sind trotz gegenteiliger Versprechen im Vorfeld der Spiele Restriktionen ausgesetzt. Von freier Berichterstattung kann in China keine Rede sein.

Heiko: Da wo zensiert wird, bekommt man es ja meist nicht mit. Hast du trotzdem während deines bisherigen Aufenthaltes Erfahrungen mit diesem Thema gemacht (TV, Printmedien, Internet)?

Kim: Die Zensur merkt man schon. Was immer übersehen wird: In erster Linie sind natürlich chinesischsprachige Medien betroffen, Medien in Fremdsprachen interessieren die Zensurbehörde nur zweitrangig, da viele Chinesen nicht englisch sprechen können bzw. nur Zugang zu chinesischsprachigen Medien suchen. Trotzdem merkt man natürlich auch als Ausländer viel von der Zensur.
Im Internet natürlich öfters, Wikipedia ist z.B. nicht erreichbar, ebenso der Bloggerdienst blogspot.com. Die Webseite von freenet.de ist gesperrt und ich kann keine Emails des Anbieters in China abrufen und dies wohl einfach wegen des verdächtigen Namens. Wer sich über Menschenrechte in China informieren möchte kann Seiten von Reporter ohne Grenzen oder Amnesty International nicht erreichen.
Auch in anderen Medien bekommt man etwas mit. Im Fernsehen wurden z.B. während der Weltmeisterschaft die Fußballspiele etwas zeitversetzt übertragen, so dass ich die Zwischenergebnisse im Internet einige Minuten vor der Fernsehübertragung sehen konnte.

Beruflich hat es mich auch einmal getroffen, als wir eine neue Internetadresse auf einem Shared Hosting Account registriert haben und der Account dann in China gesperrt war. Ich wollte auch einmal einen kritischen Artikel auf meiner Webseite veröffentlichen, im Dateinamen des Artikels kamen dann wohl Wörter vor, die auf der Blacklist standen, der Artikel konnte von China aus erst abgerufen werden als ich den Dateinamen änderte und die “verdächtigen” Wörter nicht als Text sondern als Bild speicherte.

Heiko: Welche Rolle spielen deiner Meinung nach die seit ein paar Jahren aufkeimenden Blogs in China? Kannst du dort die Entwicklung einer chinesischen Blogosphäre beobachten?

Kim: Natürlich gibt es in China eine aktive Blogospähre. Fast alle meine Bekannten in China haben einen privaten Blog.
Die Entwicklung ging rasant. Im Jahr 2000 gab es vielleicht ein paar tausend Blogger in China, inzwischen schon laut CNNIC bereits 47 Millionen Blogger. Kritische Blogs werden von der chinesischen Regierung nicht gerne gesehen und die Blogospähre von der chinesischen Zensurbehörde zensiert, z.B. durch die Selbstzensur der chinesischen Bloganbieter. Das Ausweichen auf ausländische Anbieter bringt nur bedingt etwas wie z.B. die Sperre von blogspot.com in China zeigt. Auch ist der „Great Firewall“ Chinas, also das automatische Sperren ausländischer Inhalte, immer effektiver.

Heiko: Wie muss man sich die Themenstruktur der Blogs vorstellen? Gibt es ein ähnlich breit gestreutes Spektrum an Themen wie in Deutschland?

Kim: Die Blogs sind auf jeden Fall nicht so politisch wie hier. Die bekanntesten Blogs sind z.B. die von Künstlern, Filmstars, Schriftstellern, Regisseuren oder auch ganz normalen Leuten die über ihr Leben schreiben. Der populärste Blog ist laut einer Statistik des Bloganbieters sina.com der Blog der chinesischen Schauspielerin Xu Jinglei.

Heiko: Sind dir auch Blogs bekannt, die in erster Linie eine kritische Sichtweise auf Themen wie z.B. die Politik werfen?

Kim: Solche Blogs innerhalb Chinas sind mir nicht bekannt, wenn überhaupt werden sie von Chinesen außerhalb Chinas gehostet. Das Problem ist, dass man in China alle Webseiten registrieren muss. Als Blogger hat man also zwei Möglichkeiten, wenn man seinen Blog in China haben will: Man registriert eine eigene Internetadresse, die muss dann aber von der Zensurbehörde abgesegnet werden. Oder man verwendet einen chinesischen Blog-Service ähnlich wie blogspot – der wird dann von den Betreibern zensiert – die Betreiber müssen sich zu dieser Zensur verpflichten.

Heiko: Der freie Meinungsaustausch wird durch Web 2.0 Applikationen wie Twitter, Blogs und Foren immens gefördert und beschleunigt. Da ist es doch schwer, die Flut an Diskussionen überhaupt zu überwachen. Existieren daher irgendwelche außergewöhnlichen Gesetze, woran ihr euch beim täglichen Surfen halten müsst?

Kim: Da ist mir jetzt nichts bekannt. Natürlich gibt es inzwischen auch Gesetze, die das herunterladen von raubkopierten Inhalten betreffen. Aber das Internetrecht betrifft wohl eher die Anbieter von Webinhalten als die Internetsurfer.

Heiko: Für den Sommer 2008 wird die Welt ihre Augen auf China werfen – nicht nur wegen den Olympischen Sommerspielen. Ausländische Journalisten und Blogger werden über die Menschenrechte und Pressefreiheit berichten. Siehst du die Möglichkeit, dass hier eine saubere Berichterstattung seitens der Regierung ermöglicht wird?

Kim: Zumindest wurde im Rahmen der Bewerbung eine freie Berichterstattung zugesichert. Ich selbst kann das als Nicht-Journalist weniger beurteilen. Ich haber aber in Peking einige ausländische Journalisten kennengelernt. Die meisten schimpfen und sagen, es sei schwieriger geworden.

Heiko: Wird Olympia in deiner Wahlheimat als Chance empfunden?

Kim: Die meisten Chinesischen Bekannten in Peking mit denen ich rede empfinden die Spiele als Chance für China. Bessere Infrastruktur in Peking, Umweltschutz, Austausch mit dem Ausland. Ich habe aber mal mit einem armen Wanderarbeiter am Bahnhof in Peking gesprochen – der wusste gar nicht was die Olympischen Spiele sind.

Heiko:
Zuletzt die Frage: was versprichst du dir ganz persönlich von Olympia 2008? Wirst du den Sportstätten einen Besuch abstatten?

Kim: Bei mir ist die Begeisterung über Olympia inzwischen ein wenig gewichen. Als Unternehmer machen die Spiele nur Probleme: höhere Mietpreise in Peking, es ist immer schwieriger Mitarbeitern vor allem aus bestimmten Ländern Visa zu beschaffen. Da gibt es wohl eine Blacklist der Regierung. Auch die Visaverlängerungen in China sind schwerer geworden, man ist hier immer mehr auf Visaservices angewiesen die über Beziehungen die Visa beschaffen. Das wurde vor einem Jahr noch viel entspannter gehandhabt.
Aus unternehmerischer Sicht (mein Unternehmen hat mit den Spielen selbst wenig zu tun) bin ich froh wenn die Spiele vorbei sind.

Ob ich selbst bei den Spielen dabei bin weiß ich nicht. Ich werde in nächster Zeit mehr Zeit in Korea als in China verbringen. Tickets habe ich mir jedenfalls noch nicht gekauft.

Kim, dir vielen Dank für das Interview. Ich finde die Themen sehr spannend und werde dein Blog weiterhin verfolgen (und natürlich auf ein paar Berichte während der Olympischen Spiele hoffen). Des Weiteren hoffe ich, dass dieses Interview zur aktuellen und zukünftigen Diskussion über die Olympischen Sommerspiele in der Blogosphäre beitragen kann.

Im Zusammenhang mit diesem Post sei noch auf ein Radio-Interview mit Kim beim Deutschlandfunk (“China putzt sich für Olympia”) verwiesen.

Interview: Lars, der CeBIT-Runner

So, knapp zwei Wochen vor der Messe gibt es nun das Interview mit Lars, der für RNNR vom ersten CeBIT Charity Run berichten wird. Here you go:

Heiko: Hallo Lars. Ich darf dich hiermit zum ersten Interview überhaupt auf RNNR begrüßen. Stell’ dich doch kurz unseren Lesern vor.

Lars: Hallo Heiko. Erst mal vielen Dank für die Einladung. Es freut mich bei Euch über den 1. Cebit Charity Run berichten zu dürfen. Was mich betrifft, ich bin ein Jahrgang 73er, laufe aktiv seit 2003 und habe bereits 7 gefinishte Marathonläufe hinter mir. Dazwischen gab es den einen oder anderen Halbmarathon und ein paar 10er. Zeittechnisch bewege ich mich auf der Marathondistanz zwischen 3:30 und 4 Stunden, auf der Halbmarathondistanz zwischen 1:40 und 2:00 Stunden und beim Zehner zwischen 44 und 55 Minuten.

Heiko: Am 6. März wird der 1. CeBIT Charity Run ausgetragen. Wie hast du davon gehört und an welchem Lauf wirst du teilnehmen (7, 14, 21 km)?

Lars: Aufmerksam auf den CeBIT Charity Run wurde ich auf der Internetseite vom Hannover-Marathon. Da bekam ich beim Lesen des Banners spontan Lust durch die Messehallen zu zappeln, mal wieder etwas Neues zu Erleben. Dann kam noch der Gute Zweck dazu und der Urlaub wurde eingereicht ;o). Ursprünglich wollte ich 3 Runden, also 21km laufen. Ich befürchte nur, dass ich wegen einer andauernden Erkältungsphase auf 2 oder 1ne Runde verkürzen werde. Da der Lauf für mich aber kein Wettkampfcharakter hat, ist mir das egal.

Heiko: Bist du ohnehin an diesem Tag auf der CeBIT (wenn ja, warum?) oder reist du extra wegen dem Lauf an?

Lars: Nein, ich bin an diesem Tag nicht auf der CeBIT. Und ich weiß noch immer nicht, ob die Läufer ohne CeBIT-Ticket rein kommen, was ich aber schwer hoffe. Nicht, dass der Bericht noch in Gefahr gerät ;o)

Heiko: Die Laufstrecke verläuft quer durch die Messehallen. Was versprichst du dir von dieser ungewohnten Kulisse?

Lars: Da ich das Messegelände in Hannover und die CeBIT gut kenne, erhoffe ich mir viele Zuschauer und vielleicht auch Moderation im Start/Zielbereich. Insgesamt kann ich mir eine sehr interessante Atmosphäre vorstellen. Ich bin wirklich sehr neugierig, wie der Veranstalter den Lauf mit der CeBIT vereint und die Strecke quer durch die Hallen führen wird. Vielleicht bekommen die schnellsten Läufer ja Auszeichnungen von der Computerindustrie? Naja, Wunschdenken … zumal ich nicht zu der schnellen Truppe gehöre.

Heiko: Bei uns ist immer das Laufequipment ein großes Thema. Was wirst du am 6. März mit dir rumtragen?

Lars: Da ich ein Vorfußpirat bin, laufe ich ausschließlich in sehr flachem Schuhwerk. Mal sehen. Entweder im Adistar Competiton, DS Racer oder dem guten alten Puma Aello. Das entscheide ich spontan. Dazu gibts ein paar hauchdünne Falke Socken und da drüber, als weiter oben, dem Wetter entsprechende Kleidung. Normalerweise nehme ich meine Pulsuhr nicht mehr mit zum Laufen. Aber für den Bericht schnalle ich mir meine Suunto t3 inkl. FootPod um. Und, da ich bei Euch berichten darf, werde ich meine Digicam mitnehmen und ein paar kleine Stops einlegen. Also ein großes Marschgepäck.

Vielen Dank, Lars! Das klingt alles sehr sehr vielversprechend, besonders deine Foto-Aktion. ;) Ich freue mich auf deinen Bericht. Doch zunächst viel Erfolg beim Lauf!

Interview mit dem Cebit-Runner

Habe ja angekündigt, dass Lars am Cebit Charity Run teilnehmen und anschließend bei uns ein bisschen darüber berichten wird. Wir wollen ihn im Laufe der Woche mal kurz hier im Blog vorstellen, damit ihr wisst, wer da bald schreiben wird. ;) Irgendwelche Fragen, die wir unbedingt ins Interview einbauen sollen?